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Erkennen und Handeln

Bei der Arbeit von Feuerwehren und Rettungsdienst sind die haupt- und ehrenamtlichen Helfer immer wieder mit dem Tod und Verletzungen von Menschen konfrontiert und zum Teil selbst lebensbedrohlichen Situationen ausgesetzt.
Das Miterleben derart extremer Situationen, wie auch die Verantwortung für das Leben anderer, kann eine erhebliche seelische Belastung für die Einsatzkräfte bedeuten. Nicht nur die unmittelbar Betroffenen von Unfällen, Katastrophen und Gewalt können seelische Belastungsreaktionen entwickeln, sondern auch deren Helfer.
Häufig wird nach solchen Einsätzen von einer Posttraumatischen Belastungsstörung gesprochen. Das bedeutet, dass die Kameraden nach dem als belastend empfundenen Einsatz eine länger anhaltende körperliche Reaktion haben.
Diese körperlichen Reaktionen können zum Beispiel darin bestehen, dass das Ereignis immer wieder gedanklich erlebt wird, dass Bilder oder Geräusche immer wieder an den Einsatz erinnern. Das kann sich aber auch in Schlafstörungen, wie Alpträume äussern.
War die Belastung sehr gross, dann kann es auch zu dem Versuch kommen, alles, was an den Einsatz erinnern könnte, zu vermeiden. So werden zum Beispiel Orte, Strassen oder auch Menschen gemieden, die mit dem Einsatz in Verbindung stehen. Oft leben Einsatzkräfte auch noch lange in einer inneren Unruhe, einer ständigen Alarmbereitschaft des Körpers, die unter Umständen zu Gereiztheit, Zorn und Wut führen kann.
Die meisten Kameraden erledigen fast alle Einsätze ohne grosse seelische Schwierigkeiten. Selbst Einsätze bei grossen Bränden oder schweren Unfällen führen nicht automatisch zu einer seelischen Belastung.
Es gibt aber auch Einsätze, bei denen die normale Bewältigung nicht funktioniert, wo die Ereignisse jenseits der üblichen Erfahrung liegen und die eine deutlich belastende Auswirkung auf fast jeden Menschen haben. Wie zum Beispiel:
         - Einsätze mit mehreren Verletzten oder Toten,
         - persönliche Bekannte werden verletzt oder getötet
         - die schwere Verletzung oder der Tod eines Kindes
         - die Verletzung oder der Tod eines Kameraden
         - die eigene körperliche Verletzung oder Lebensgefahr
         - das nicht helfen können

In solchen Fällen ist es möglich, dass sich eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickelt. Die Reaktionen, die entstehen, sind aber ganz normale Reaktionen eines gesunden Menschen auf ein unnormales Ereignis. Sie bedeuten nicht, dass man nicht für Feuerwehrarbeit geeignet ist oder nicht richtig darauf reagiert hat.
Erkennen kann man sie teilweise schon während des Einsatzes, wenn sich das Verhalten der Gruppe oder auch einzelner Kameraden deutlich ändert. Besonders sollte man auf bestimmte Anzeichen achten, wie zum Beispiel:
         - auffällig verändertes Verhalten
         - Handlungsunfähigkeit
         - Unkonzentriertheit
         - Wut, Trauer, Depressionen
         - Distanziertheit, Schweigen

In den meisten Fällen vergehen diese Anzeichen in einem Zeitraum von wenigen Tagen von alleine. Es gibt aber auch Fälle, in denen ein einzelner Kamerad sich selber helfen will, es aber nicht mehr kann.
Hier sind Einsatzleiter, Gruppenführer aber auch die Kameraden und Kollegen gefordert, solche Anzeichen zu erkennen und richtig zu handeln.
Man sollte dann den Kameraden oder Kollegen das Gefühl geben, dass er auf Verständnis und Hilfe bauen kann.
Deshalb sollte es zur Routine werden, dass Einsatzleiter und Gruppenführer, egal ob von der Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst, nach schweren oder grösseren Einsätzen ihre Kameraden oder Kollegen versammeln und ein Gespräch in gemütlicher Runde mit dem Team der Einsatznachsorge Mansfeld - Südharz führen - selbstverständlich im Rahmen der Schweigepflicht.
Deshalb nochmals ein Appell an alle Führungskräfte: Nehmen Sie dieses Angebot der Einsatznachsorge wahr!
Es sollten die Zeiten vorbei sein, in denen Kameraden oder Kollegen belächelt bzw. als einsatzunfähig erklärt werden, wenn Sie Anzeichen einer Posttraumatischen Belastungsstörung zeigen.
Um einer Posttraumatischen Belastungsstörung vorzubeugen, ist es hilfreich, sich schon vor den Einsätzen mit dem Thema Stress und Stressbewältigung zu beschäftigen.
Wenn sie als Einsatzkraft einen belastenden Einsatz hatten, ist es sinnvoll, mit dem Team der Einsatznachsorge Kontakt aufzunehmen. Von Fall zu Fall werden dann individuelle Massnahmen besprochen.

Das Nachsorgeteam der Notfallbegleitung des Landkreises Mansfeld - Südharz

Links: 
www.sbe-ev.de
                  
www.fachverband-nkm.de

Verfasst von Thomas Messerschmidt und Dirk Kuhn

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